Objekt des Monats

Tasse mit Unterteller, vergoldet mit drei Lihographieporträts von Fürsten

Ein Andenken an den Beginn einer neuen Ära

Ebenso wie man heutzutage mit unterschiedlichsten Produkten an ein bestimmtes zeitgeschichtliches Ereignis erinnern möchte, man denke nur an die unzähligen Merchandise-Artikel der letzten Fußballweltmeisterschaft, hat man bereits in früheren Zeiten durch verschiedenste Erzeugnisse die Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis bewahren wollen. Ein solches Erzeugnis der Erinnerungskultur ist eine kleine biedermeierliche Porzellantasse mit Unterteller im Bestand des Stadtmuseums Hildburghausen. 

Die kleine, wohl zum Genuss von Kaffee oder Tee dienende Tasse, hat eine Höhe von acht und einen Durchmesser von sechs Zentimetern. Während der 14 cm im Durchmesser haltende Unterteller lediglich mit einem einfachen Goldrand auf der Schaufläche versehen ist, wurde die Tasse innen komplett vergoldet und zeigt an ihrer Außenseite noch zwei unterschiedlich breite Goldstreifen. Zwischen diesen Goldstreifen wurden auf die Wandung der Tasse drei kleine Lithographieporträts von Fürsten appliziert. Zu sehen sind hier die Porträts der Herzöge Bernhard II. von Sachen-Meiningen (1800-1882), Friedrich von Sachsen-Hildburghausen (1763-1834) und Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1784-1844).

Durch diese drei Porträts können wir genau sagen, an welches geschichtliche Ereignis diese kleine Tasse erinnern soll und wann sie gefertigt wurde: Im Jahre 1825 starb durch den Tod des kinderlosen Herzogs Friedrich IV. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1774-1825) dessen Zweiglinie der Ernestiner aus. Hieraus ergab sich für die verbliebenen drei Linien Meiningen, Hildburghausen und Coburg-Saalfeld die Notwendigkeit eine Neuaufteilung ihrer drei Länder unter Einbeziehung der Ländereien des verstorbenen Herzogs vorzunehmen.

Bereits am 11. August 1826 wurde in Liebenstein ein erster, als Präliminarvertrag bezeichneter, Vorvertrag über die Neuaufteilung der Ernestinischen Länder ausgearbeitet. Der endgültige Vertrag, dessen gedruckte Ausfertigung ebenfalls im Stadtmuseum Hildburghausen zu sehen ist, wurde am 15. November 1826 im Hildburghäuser Schloss unterzeichnet. Mit diesem Vertrag übernahm der Hildburghäuser Herzog Friedrich das neue Herzogtum Sachsen-Altenburg. Das einstige Herzogtum Hildburghausen fiel zum größten Teil an das neue Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen unter Bernhard II. Herzog Ernst erhielt das aus zwei Landesteilen bestehende neue Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. 

Die Aufgabe seines Herzogtums und seiner Residenzstadt Hildburghausen scheint Herzog Friedrich leicht gefallen zu sein, war doch seine Gattin, die vom Volk verehrte Herzogin Charlotte (1769-1818), bereits acht Jahre zuvor verstorben. Die in ihrer Gruft auf dem Hildburghäuser Friedhof für Friedrich vorgesehene Grabkammer blieb nun für immer leer, da Friedrich 1834 in Altenburg starb und auch dort beigesetzt wurde. Die Hildburghäuser nahmen ihrem Herzog den Wegzug jedoch sehr übel, bedeutete er doch den Verlust des Status einer Residenzstadt. Bei seinem Auszug aus Hildburghausen in den frühen Morgenstunden des 17. November 1826, soll keine Menschenseele auf den Straßen der Stadt zu sehen gewesen sein. 

Da die Tasse unter den Fürstenporträts noch deren Titel aus der Zeit vor der Neuaufteilung zeigt, scheint sie noch vor dem Abschluss des Teilungsvertrages, also im Jahre 1826 gefertigt worden zu sein. Einen Hinweis auf ihren Fertigungsort gibt die in Gold ausgeführte kleine Porzellanmarke in Form eines dreiblättrigen Kleeblatts an der Unterseite der Tasse. Das dreiblättrige Kleeblatt war das Markenzeichen der Gebrüder Greiner, welche in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrere Porzellanmanufakturen in Thüringen besaßen. Möglich wäre, dass unsere Tasse in der Manufaktur Limbach gefertigt wurde, von wo auch andere Erzeugnisse mit goldener Kleeblattmarke bezeugt sind. Aber auch die Porzellanmanufaktur Kloster Veilsdorf käme durchaus als Fertigungsort in Frage. Seit 1822 war hier Johann Jacob Florentin Greiner (1764-1844), ein Sohn des als Begründer der Thüringer Porzellanindustrie geltenden Gotthelf Greiner (1732-1797), Geschäftsführer. 

Die kleine Tasse, welche 2005 als Geschenk der bekannten Dunkelgräfinforscherin Helga Rühle von Lilienstern (1912-2014) an das Stadtmuseum kam, befindet sich zur Zeit als eine von mehreren Leihgaben des Museums im Schlossmuseum Altenburg. Dort ist sie Bestandteil der noch bis zum 27. September zu sehenden Sonderausstellung „Koffer, Kutschen und Kartons. 200 Jahre Ankommen in Altenburg“, welche die Neuordnung der Ernestinischen Länder im Jahre 1826 zum Inhalt hat. Eine zweite Ausstellung zu diesem Thema zeigen derzeit auch die Kunstsammlungen der Veste Coburg. Hier trägt die noch bis zum 20. September laufende Ausstellung den Titel: „Coburg / Gotha / 1826. Ein Herzog. Zwei Residenzen.“ i